SOP: Umgang mit KI-generierten Inhalten
Rechtssicherer, schlanker und praxistauglicher Umgang mit KI-generierten oder KI-bearbeiteten Inhalten in Kundenprojekten.
Geltungsbereich: Kundenprojekte, Pitches, Social Media, Web, Kampagnen, Präsentationen, Bilder, Videos, Texte, Audio und interaktive KI-Systeme
Schlanker, risikobasierter Ansatz für den Umgang mit KI-generierten und KI-bearbeiteten Inhalten. Keine Maximal-Compliance, sondern pragmatische Risikoprüfung pro Projekt.
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Risikoklassen
Kurzregel für den Alltag
Kennzeichnen müssen wir nicht alles, sondern vor allem das, was Menschen täuschen oder öffentlich informieren kann.
Nur intern? → Keine Kennzeichnung
Nur assistive Bearbeitung ohne Bedeutungsänderung? → Meist keine Kennzeichnung
Erkennbar reale Person / Ort / Ereignis täuschend echt nachgebildet? → Deepfake-Prüfung (Art. 50 Abs. 4)
Text informiert öffentlich über gesellschaftliche Themen? → Offenlegung oder dokumentierte redaktionelle Kontrolle (Art. 50 Abs. 3)
Regulierte Branche oder sensibles Thema? → Fachfreigabe und Dokumentation
Chatbot oder Avatar interagiert mit Nutzer:innen? → KI-Hinweis beim ersten Kontakt (Art. 50 Abs. 1)
Plattform-Upload geplant? → Plattformrichtlinien prüfen (Meta, Google, TikTok)
Kurzgefasst
Unsere Agentur nutzt KI-Tools, entwickelt sie aber nicht. Das macht einen wesentlichen Unterschied — sowohl beim Umfang der Pflichten als auch beim Aufwand für die Umsetzung.
Drei relevante Pflichten
KI-Kompetenz sicherstellen
Art. 4 · seit Feb. 2025Alle Mitarbeitenden und Freelancer, die KI-Systeme im Auftrag der Agentur nutzen, müssen angemessen über Funktionsweise, Möglichkeiten und Grenzen dieser Systeme informiert sein. Keine Zertifizierungspflicht — eine dokumentierte interne Richtlinie und ein Einführungsbriefing erfüllen die Anforderung.
Deepfakes offenlegen
Art. 50 Abs. 4 · ab Aug. 2026KI-generierte oder KI-manipulierte Inhalte, die eine erkennbar reale Person, einen Ort oder ein dokumentiertes Ereignis täuschend echt nachbilden, müssen als solche gekennzeichnet werden. Das gilt auch für synthetisch erzeugte Stimmen realer Personen. Fiktive Personen ohne realen Bezug sowie kommerzieller Werbecopy sind vom Anwendungsbereich explizit ausgenommen.
KI-Systeme als solche erkennbar machen
Art. 50 Abs. 1 · ab Aug. 2026Interagiert ein Nutzer direkt mit einem KI-System — etwa einem Chatbot auf einer Kundenwebsite — muss beim ersten Kontakt klar erkennbar sein, dass es sich um KI handelt. Ein entsprechender Hinweis im Begrüßungstext erfüllt diese Anforderung in den meisten Fällen.
Unser Ansatz
Keine Maximal-Compliance, sondern eine schlanke Risikoprüfung pro Projekt. Kennzeichnen, wo es rechtlich geboten oder kommunikativ sinnvoll ist — und den Aufwand dort lassen, wo er hingehört.
Wann betrifft uns der EU AI Act?
Der EU AI Act betrifft uns, wenn wir KI-Systeme beruflich nutzen oder KI-basierte Inhalte veröffentlichen, ausliefern oder für Kunden einsetzen.
| Nutzung | Relevanz | Standardmaßnahme |
|---|---|---|
| ChatGPT / Claude für interne Ideen oder Zusammenfassungen | niedrig | keine Kennzeichnung |
| Midjourney für Kampagnenmotiv | mittel | Deepfake-Prüfung |
| Magnific für Upscaling / Retusche | niedrig–mittel | prüfen, ob Bedeutung verändert wurde |
| Firefly Generative Fill bei echtem Foto | mittel | prüfen, ob Inhalt wesentlich verändert wurde |
| KI-Video mit erkennbar realer Person | hoch | Offenlegung erforderlich |
| KI-Stimme einer realen Person | hoch | Offenlegung und Rechteklärung |
| Chatbot auf Kundenwebsite | hoch | KI-Hinweis beim ersten Kontakt |
| KI-Text zu Gesundheit, Politik, Finanzen, Energie | hoch | Offenlegung oder dok. redaktionelle Kontrolle |
| KI-Text für normalen Anzeigenclaim / Werbecopy | niedrig | keine Pflicht nach Art. 50 Abs. 3 |
| Plattform-Ad bei Meta / Google / TikTok | mittel | Plattformrichtlinien prüfen |
Unsere Rolle als Agentur
In der Regel sind wir Deployer. Provider werden wir nur in besonderen Konstellationen.
Wir sind in der Regel Deployer, wenn wir bestehende KI-Tools beruflich nutzen, um Inhalte für Kunden zu erstellen.
- Designer erstellt mit Midjourney ein Kampagnenmotiv
- Projektmanager nutzt ChatGPT für Konzeptideen
- Redaktion nutzt Claude für Erstentwürfe
- Motion Designer nutzt Runway oder Firefly für Videoelemente
- Ein eigenes KI-System entwickeln oder entwickeln lassen
- Ein KI-System unter eigener Marke anbieten oder vermarkten
- Ein bestehendes KI-System wesentlich verändern
- Einen KI-Service als eigenständiges Produkt bereitstellen
- Bei High-Risk-Systemen den Zweck so ändern, dass ein High-Risk-System entsteht
Praktische Abgrenzung
| Szenario | Rolle |
|---|---|
| Wir erstellen ein KI-Bild für eine Kampagne | Deployer |
| Wir schreiben mit ChatGPT einen Entwurf | Deployer |
| Wir konfigurieren einen Website-Chatbot mit Drittanbieter-Tool | meist Deployer – Einzelfall prüfen |
| Wir verkaufen einen eigenen KI-Assistenten unter Agenturmarke | Provider-Risiko |
| Wir bauen KI in HR-, Kredit-, Medizin- oder Infrastrukturprozesse ein | High-Risk-Prüfung |
Unsere gesetzlichen Pflichten
Als Deployer treffen uns drei zentrale Pflichtbereiche des EU AI Acts.
Minimalstandard: kurze interne KI-Guideline, Onboarding für neue Mitarbeitende, jährliche Kurzschulung, besondere Einweisung für Designer, Redaktion, PM und Freelancer, dokumentierte Teilnahme.
Wenn wir KI-Systeme nutzen, die Bild-, Audio- oder Videoinhalte erzeugen oder manipulieren, und der Inhalt einen Deepfake darstellt, müssen wir die künstliche Erzeugung offenlegen.
KI-generierte Texte müssen offengelegt werden, wenn sie veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren.
Was sind „Texte von öffentlichem Interesse"?
Ein Text ist ein Text von öffentlichem Interesse, wenn er nicht nur werblich oder unterhaltend ist, sondern geeignet ist, die öffentliche Meinungsbildung zu beeinflussen.
Beispiele aus der Agenturpraxis
| Beispiel | Einordnung |
|---|---|
| KI-generierter Claim für eine Rabattaktion | kein öff. Interesse |
| Instagram-Caption für ein Designprojekt | kein öff. Interesse |
| Blogartikel „Warum ist Leitungswasser trinkbar?" für Stadtwerke | möglicherweise |
| Text über Energiepreise oder Versorgungssicherheit | öff. Interesse |
| Native Ad zu Geldanlage oder Altersvorsorge | möglicherweise |
| Kundenmagazin zu Gesundheit oder Prävention | öff. Interesse |
| Wahlkampagne oder politische Initiative | öff. Interesse |
| Recruiting-Anzeige ohne gesellschaftlichen Informationsanspruch | kein öff. Interesse |
„Informiert dieser Text Menschen über ein Thema, das für Gesundheit, Sicherheit, politische Meinungsbildung, wirtschaftliche Entscheidungen, öffentliche Versorgung oder gesellschaftliche Teilhabe relevant ist?"
Ja → Offenlegung prüfen oder redaktionelle Prüfung dokumentieren.
Nein → In der Regel keine KI-Kennzeichnung erforderlich.
Ab wann gilt ein Text als redaktionell geprüft?
Der AI Act verlangt für die Ausnahme beides zusammen: menschliche Prüfung und formell übernommene redaktionelle Verantwortung.
Wichtigster operativer Punkt für KI-Texte
Wir dokumentieren bei veröffentlichten KI-unterstützten Texten nicht primär „KI-Text: ja/nein", sondern: Wurde der Text redaktionell geprüft, und wer trägt die redaktionelle Verantwortung?
Konkrete Person verantwortlich
Redakteur, Copywriter, Projektleitung oder Kunde — namentlich benannt
Vollständiger Text gelesen
Nicht nur einzelne Abschnitte oder Überschriften
Tatsachenbehauptungen geprüft
Zahlen, Namen, Daten, rechtliche Aussagen, Gesundheitsinformationen, Preisangaben, Zitate
Irreführende KI-Formulierungen entfernt
Übertreibungen, erfundene Details, unklare Quellen
Fachliche Abstimmung bei Bedarf
Insbesondere bei regulierten Branchen oder sensiblen Themen
Finale Freigabe dokumentiert
Z. B. Freigabe-Mail, Task-Status oder Kommentar im Projektmanagement-Tool
Redaktionelle Verantwortung klar geregelt
Agentur oder Kunde — formell, nicht implizit
Praktischer Standardvermerk
Wenn ein Text von öffentlichem Interesse nicht redaktionell geprüft wurde oder keine Person bzw. Organisation formell redaktionelle Verantwortung übernimmt, muss eine Offenlegung als KI-generiert oder KI-bearbeitet geprüft und in der Regel umgesetzt werden.
Prozesse & Workflow
Schlanker 3-Stufen-Prozess und 6-Schritte-Workflow von KI-Erstellung bis Auslieferung.
3-Stufen-Prozess
KI-Einsatz erkennen
Werden KI-Tools eingesetzt? Werden Ergebnisse veröffentlicht? Kann es als echt missverstanden werden? Öffentliches Interesse? Regulierte Branche? Plattform-Upload geplant?
Risikoklasse bestimmen (A–E)
A (intern, keine Kennzeichnung) bis E (KI-Systeme, gesonderte Prüfung)
Kennzeichnungsentscheidung dokumentieren
Projekt, Asset, Tool, KI-Nutzung, Risikoklasse, Kennzeichnung, Entscheidung durch, Datum
Workflow: KI-Erstellung bis Auslieferung
Bilder · Video · Texte
Differenzierte Entscheidungsregeln nach Medientyp.
| Beispiel | Entscheidung |
|---|---|
| KI-Illustration im Comicstil | keine Pflicht |
| Fotorealistisches KI-Portrait einer fiktiven Person | Prüfen (kein Deepfake i.S.d. AI Acts, aber UWG beachten) |
| KI-Bild, das eine reale Person erkennbar nachbildet | Deepfake – Offenlegung erforderlich |
| KI-Bild eines angeblichen realen Events | Deepfake – Offenlegung erforderlich |
| Magnific-Upscaling ohne Inhaltsänderung | meist keine Kennzeichnung |
| Generative Fill fügt Personen in echtes Foto ein | hohe Wahrscheinlichkeit Deepfake |
| KI möbliert echtes Immobilienfoto | Kennzeichnung prüfen |
- KI-generierten realistischen Personen, Face Swap, Lip Sync
- Synthetischen Statements, KI-Avataren
- Realistisch inszenierten Ereignissen, manipulierten Originalaufnahmen
- Synthetischer Stimme einer realen oder realistisch wirkenden Person
- Interne Konzepttexte, Anzeigenclaims, Werbecopy
- Produktbeschreibungen ohne öffentlichen Informationszweck
- Social Captions ohne gesellschaftlich relevantes Thema
- Übersetzungen mit menschlicher Prüfung, Lektorate
Wir setzen auf redaktionelle Prüfung statt pauschaler KI-Kennzeichnung, sofern die Prüfung ernsthaft durchgeführt und dokumentiert wird.
Bilder
| Methode | Umsetzung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Im Bild | Semitransparentes Label „KI-generiert" unten links oder rechts. Mind. 10pt, gut lesbar, nicht wegretuschierbar. | Deepfakes, Pflicht-Kennzeichnung |
| Bildunterschrift | „Bild: KI-generiert (Midjourney)" oder „Dieses Bild zeigt keine reale Person." | Redaktionelle Inhalte, Kampagnen |
| Alt-Text | „KI-generiertes Bild von [Beschreibung]" — für Barrierefreiheit und Transparenz. | Web, barrierefreie Inhalte |
| C2PA / Metadaten | Automatisch bei Adobe Firefly aktiv. Für Archivierung geeignet, nicht allein für Social Media. | Archiv, professionelle Übergabe |
| Asset-Liste | Interne Dokumentation: Asset, Tool, Risikoklasse, Entscheidung, Datum, verantwortliche Person. | Alle KI-Assets bei Auslieferung |
Video
| Methode | Umsetzung | Geeignet für |
|---|---|---|
| Titeleinblendung | „KI-generierter Inhalt" am Anfang des Videos, mind. 2–3 Sekunden, gut lesbar. | Deepfakes, reale Personen |
| Persistentes Label | Dauerhaftes kleines Label in einer Ecke während des gesamten Videos. | Längere Videos, Tutorials |
| Abspann/Credits | „Video: KI-generiert mit [Tool]" im Abspann — zusätzlich, nicht allein. | Ergänzend zu anderen Methoden |
| Plattform-Label | Meta AI-Label, TikTok AI-Tag im Creator-Tool. Zusätzlich zum Asset selbst setzen. | Social Media, Ads |
| Beschreibungsfeld | „Dieses Video wurde mit KI erstellt und zeigt keine reale Situation." im Plattform-Beschreibungsfeld. | YouTube, Vimeo, Social |
Audio & Stimme
| Methode | Umsetzung |
|---|---|
| Verbaler Hinweis | „Diese Stimme wurde mit KI erzeugt." — am Beginn des Audios, klar und verständlich. |
| Show Notes / Beschreibung | „Stimme: KI-generiert" oder „Voice-Over: synthetisch erzeugt" im Beschreibungstext. |
| Podcast-Ankündigung | Mündliche Erwähnung in der Intro-Episode bei regelmäßigem Einsatz. |
Text
| Methode | Umsetzung | Wann |
|---|---|---|
| Hinweisbox am Anfang | „Dieser Text wurde mit KI erstellt und nicht redaktionell geprüft." | Pflicht ohne redaktionelle Kontrolle |
| Autorenzeile | „KI-generiert" oder „Erstellt mit KI-Unterstützung" | Öffentliche Texte mit Autorenangabe |
| Fußnote | „* Dieser Inhalt wurde mit KI-Tools erstellt." | Ergänzend, unauffälliger |
| Redaktionsvermerk (intern) | „KI-unterstützt. Geprüft: ja. Verantwortlich: [Name]. Freigegeben: [Datum]." | Pflicht bei redaktioneller Ausnahme |
| Freiwilliger Hinweis | „Mit redaktioneller KI-Unterstützung erstellt." — wenn Pflicht nicht greift, aber Transparenz gewünscht. | Optional, gute Praxis |
Chatbot & KI-System
Begrüßungstext (zwingend)
„Hallo! Ich bin [Name], ein KI-Assistent von [Firma]. Wie kann ich Ihnen helfen?" — beim allerersten Kontakt automatisch.
Dauerhaftes UI-Label (empfohlen)
Badge oder Label in der Chat-Oberfläche: „KI-Assistent" oder „Powered by AI" — sichtbar während der gesamten Session.
Opt-out anbieten (gute Praxis)
„Mit einem Menschen sprechen"-Option — besonders wichtig bei sensiblen Anfragen (Gesundheit, Recht, Beschwerden).
Formulierungsbeispiele auf einen Blick
| Kontext | Formulierung (DE) |
|---|---|
| Bild — Deepfake | „Dieses Bild wurde mit KI erstellt und zeigt keine reale Person." |
| Video — Deepfake | „KI-generierter Inhalt. Dieses Video zeigt keine reale Situation." |
| Audio — Stimme | „Diese Stimme wurde mit KI erzeugt." |
| Text — ohne Kontrolle | „Dieser Text wurde mit KI erstellt und nicht redaktionell geprüft." |
| Text — mit Kontrolle | „Mit redaktioneller KI-Unterstützung erstellt." (freiwillig) |
| Chatbot | „Ich bin [Name], ein KI-Assistent von [Firma]." |
| Allgemein / kurz | „KI-generiert" · „KI-unterstützt" · „Erstellt mit KI" |
Ads & Websites
Für KI-erstellte Werbeanzeigen und Websites gibt es keine pauschale Kennzeichnungspflicht nach EU AI Act — aber mehrere situative Ausnahmen und Plattformpflichten.
Art. 50 Abs. 3 EU AI Act (Transparenz bei Texten) gilt nur für Inhalte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren. Normaler Werbecopy — Anzeigentexte, Slogans, Produktbeschreibungen — fällt explizit nicht darunter. Auch für Websites gibt es keine generelle Pflicht zur KI-Kennzeichnung.
Wann doch Kennzeichnung oder Prüfung erforderlich ist
| Situation | Regelung | Pflicht |
|---|---|---|
| KI-Bild zeigt erkennbar reale Person/Ort täuschend echt | Art. 50 Abs. 4 EU AI Act | Offenlegung als KI |
| Native Ad als redaktioneller Content zu Gesundheit, Finanzen etc. | Art. 50 Abs. 3 EU AI Act | Offenlegung oder red. Kontrolle |
| Politische Werbung mit KI-Inhalten | EU-VO Transparenz polit. Werbung (2024) | Pflicht zur Disclosure |
| Chatbot auf Website oder Landingpage | Art. 50 Abs. 1 EU AI Act | KI-Hinweis beim ersten Kontakt |
| KI-generierte Fake-Testimonials oder Vorher-Nachher-Bilder | UWG § 5 (Irreführung) | Verboten – unabhängig von AI Act |
| Ads auf Meta/Instagram zu gesellschaftl. Themen | Meta-Richtlinie (seit 2024) | Label bei „realistischen" KI-Inhalten |
| Wahlanzeigen auf Google Ads | Google-Ads-Richtlinie | Disclosure bei KI-Inhalten |
| Kampagnenmotive auf TikTok | TikTok AI-Kennzeichnungspflicht | Label bei KI-generierten Inhalten |
| Standard Display-Ad mit KI-Illustration (stilisiert) | — | Keine Pflicht |
| Website komplett mit KI gebaut | — | Keine Kennzeichnungspflicht |
Plattform-Richtlinien im Detail
Seit 2024: Pflicht zur Disclosure von KI-generierten realistischen Bild-, Video- und Audioinhalten in Ads zu gesellschaftlich relevanten Themen (Politik, Soziales, Wahlen). Meta erkennt teilweise C2PA-Metadaten automatisch und fügt eigene Labels hinzu. Für normale Produkt-Ads gilt dies nicht.
Pflicht zur Disclosure bei KI-generierten Inhalten in politischen Wahlkampf-Anzeigen. Für kommerzielle Werbung außerhalb von Wahlen gelten aktuell keine expliziten KI-Kennzeichnungspflichten.
TikTok verlangt bei KI-generierten oder KI-bearbeiteten Inhalten im organischen Feed ein KI-Label. Für bezahlte Werbeanzeigen (TikTok Ads) gibt es separate Richtlinien, die KI-generierte realistische Personen erfassen.
Bei jeder Ad-Produktion prüfen wir: (1) Plattformrichtlinien des geplanten Ausspielungskanals, (2) Ob reale Personen oder Orte erkennbar nachgebildet sind, (3) Ob es sich um politische oder gesellschaftlich relevante Werbung handelt, (4) Ob Testimonials oder Produktdarstellungen KI-optimiert wurden.
Technische Metadaten & C2PA
C2PA, IPTC-Metadaten, Content Credentials und vergleichbare Herkunftsnachweise sind kein pauschal verpflichtender Arbeitsschritt — sondern ein situativ sinnvolles Werkzeug.
Das verwendete Tool erzeugt sie automatisch (z. B. Adobe Firefly mit Content Credentials)
Der Kunde verlangt sie ausdrücklich
Das Projekt ist besonders sensibel (Deepfake-Nähe, regulierte Branche, politische Kommunikation)
Ein Asset soll als Originaldatei mit Herkunftsnachweis archiviert werden
Ein Plattform-, Kunden- oder Branchenstandard legt den Einsatz nahe
Entscheidend bleibt, ob ein Inhalt nach Art. 50 EU AI Act offengelegt werden muss. C2PA ist ein technisches Hilfsmittel für Nachvollziehbarkeit und Archivierung — kein Ersatz für die inhaltliche Prüfung und Kennzeichnungsentscheidung.
| Situation | C2PA / Metadaten | Sichtbare Kennzeichnung |
|---|---|---|
| Tool erzeugt Metadaten automatisch | übernehmen | nach Risikoprüfung |
| Sensibles Asset, Archivierung geplant | empfohlen | nach Risikoprüfung |
| Veröffentlichung auf Social Media | nicht allein verlassen | bei Pflicht: sichtbar in Asset/Caption |
| Interne Nutzung ohne Veröffentlichung | optional | keine |
| Kundenwunsch | umsetzen | zusätzlich prüfen |
Interaktiver Risikocheck
Beantworten Sie die Fragen, um die Risikoklasse Ihres KI-Inhalts zu bestimmen und konkrete Handlungsschritte zu erhalten.
Checklisten für Ihre Rolle
Interaktive Checklisten für Projektmanager, Designer und Redaktion. Fortschritt wird gespeichert.
Risiken & typische Fehler
Die häufigsten Fehler im Agenturalltag und ihre Risiken.
KI-Bild wird als echtes Ereignis dargestellt
Risiko: Deepfake-Pflicht (Art. 50 Abs. 4), Täuschungsrisiko
KI-Stimme klingt wie reale Person
Risiko: Persönlichkeitsrechte + Transparenzpflicht
KI-generierte Fake-Testimonials oder Vorher-Nachher-Bilder
Risiko: UWG § 5 (Irreführung) — unabhängig vom EU AI Act verboten
Plattformrichtlinien nicht geprüft (Meta, Google, TikTok)
Risiko: Verstoß gegen Plattformverträge, Ad-Ablehnung oder Kontosperrung
Redaktionelle Ausnahme angenommen, ohne Verantwortung zu übernehmen
Risiko: Ausnahme greift nur bei menschlicher Prüfung UND formeller Verantwortungsübernahme
Social-Media-Metadaten als alleinige Kennzeichnung
Risiko: Metadaten verschwinden beim Plattform-Upload
KI-Text zu Gesundheit / Politik ohne Faktencheck
Risiko: Rechtliches und reputatives Risiko
Kunde bekommt KI-Asset ohne Hinweis
Risiko: Haftungs- und Vertrauensrisiko
Keine AI-Literacy-Maßnahmen
Risiko: Compliance-Lücke nach Art. 4 EU AI Act
Chatbot ohne KI-Hinweis
Risiko: Transparenzrisiko nach Art. 50 Abs. 1
Vertragsklauseln
Musterformulierungen für Angebote, Rahmenverträge oder AGB-Anlagen. Ersetzen keine anwaltliche Prüfung.
Die Agentur ist berechtigt, marktübliche KI-Tools zur Konzeption, Erstellung, Bearbeitung, Optimierung und Qualitätssicherung von Arbeitsergebnissen einzusetzen, sofern hierdurch keine ausdrücklich vereinbarten Vertraulichkeits-, Datenschutz- oder Nutzungsrechtsvorgaben verletzt werden.
Vertrauliche Informationen, personenbezogene Daten, Geschäftsgeheimnisse oder nicht veröffentlichte Kundendaten dürfen nur dann in externe KI-Systeme eingegeben werden, wenn hierfür eine ausdrückliche Freigabe des Kunden oder eine geeignete vertragliche, technische und datenschutzrechtliche Grundlage besteht.
Soweit Arbeitsergebnisse wesentlich KI-generiert oder KI-bearbeitet sind und dies für Kennzeichnung, Rechteklärung oder regulatorische Bewertung relevant ist, weist die Agentur den Kunden hierauf in geeigneter Form hin.
Die Agentur prüft im Rahmen der beauftragten Leistungen, ob für von ihr erstellte oder bearbeitete Inhalte eine Offenlegung als KI-generiert nach Art. 50 EU AI Act oder nach einschlägigen Plattformrichtlinien (insbesondere Meta, Google, TikTok) erforderlich erscheint. Eine rechtliche Einzelfallprüfung ist hiervon nicht umfasst.
Nach finaler Abnahme und Übergabe ist der Kunde für die konkrete Veröffentlichung, Plattformauswahl, Reposts, Uploads und Einhaltung plattformspezifischer Vorgaben verantwortlich, sofern die Agentur diese Leistungen nicht ausdrücklich übernommen hat.
Bei KI-unterstützt erstellten Texten, die zur Information der Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse veröffentlicht werden, ist vor Veröffentlichung festzulegen, ob die redaktionelle Verantwortung bei der Agentur oder beim Kunden liegt. Übernimmt der Kunde die redaktionelle Verantwortung, ist er für fachliche Prüfung, Tatsachenprüfung, finale Freigabe und Veröffentlichungskontext verantwortlich.
Bei Inhalten aus regulierten oder fachlich sensiblen Bereichen, insbesondere Gesundheit, Medizin, Finanzen, Versicherungen, Energie, Infrastruktur, öffentlicher Verwaltung, Bildung, HR, Recht oder Sicherheit, obliegt die fachliche Prüfung und Freigabe dem Kunden.
Die Agentur darf geeignete freie Mitarbeitende und Subunternehmer einsetzen. Diese werden verpflichtet, KI-Nutzung offenzulegen und die für das Projekt geltenden KI-, Vertraulichkeits-, Datenschutz- und Kennzeichnungsanforderungen einzuhalten.
Konkrete Handlungsempfehlungen
Was sofort, was bis August 2026 und was gar nicht.
KI-Kurzrichtlinie intern einführen. Max. 2 Seiten: Was darf in KI-Tools, was nicht, wann kennzeichnen, welche Plattformregeln gelten?
KI-Abfrage ins Projektbriefing aufnehmen. Inkl. geplante Ausspielungsplattform.
Asset-Doku für relevante Veröffentlichungen einführen. Schlanke KI-Asset-Liste, kein Prompt-Archiv.
Freelancer-Klausel ergänzen. KI-Nutzung und eingesetzte Tools müssen offengelegt werden.
Plattformrichtlinien prüfen. Meta, Google Ads, TikTok — insbesondere für gesellschaftlich relevante Werbung.
AI-Literacy-Mini-Schulung durchführen. 45–60 Minuten für Design, PM, Beratung, Redaktion und GF.
- Deepfake-Kennzeichnungsstandard definieren (inkl. Abgrenzung fiktiv vs. erkennbar real)
- Textprozess für öffentliche Information mit klarer Verantwortungsregelung definieren
- Social-Media-Regel für Metadatenverlust festlegen
- Vertragsbausteine aktualisieren (inkl. Plattformrichtlinien-Klausel)
- Prüfprozess für Chatbots und interaktive KI festlegen
- Keine generelle 10%-Wasserzeichenpflicht
- Kein vollständiges Prompt-Archiv für alle Projekte
- Keine pauschale sichtbare Kennzeichnung jedes KI-Assets
- Keine Compliance-Bürokratie für interne Ideenarbeit
Kurzregel für den Alltag
Kennzeichnen müssen wir nicht alles, sondern vor allem das, was Menschen täuschen oder öffentlich informieren kann — und was Plattformregeln verlangen.